Ex – MoD – Landy – Kauf in Deutschland direkt beim „englischen Mann“

von Volker

Ob es darum geht, einen ex-MoD-Landy aus erster Hand zu erhalten, preiswert an Ersatzteile zu gelangen oder mangels Angebote auf dem zivilen Gebrauchtwagenmarkt auf ehemalige Militärfahrzeuge zurückzugreifen, stellt sich bei vielen die Überlegung, solch ein Abenteuer auch einmal auf sich zu nehmen.

Wen man zu diesem Thema auch nach näheren Informationen fragt, man bekommt meistens nur Andeutungen oder Bruchstücke an den Kopf geworfen, die die wirklichen Fragen kaum helfen zu lösen.

Wir sind ab den 90ern bei vielen dieser Versteigerungen gewesen bis dann die Serie III komplett ausgemustert war und für unsere Erwartungen nichts lukratives mehr angeboten wurde.

dsd-150x136Anfänglich wurden ausgemusterte Fahrzeuge vom Disposal Sales Depot (British Forces Germany) in eigener Regie versteigert. Dies spielte sich vorwiegend in den Ayrshire Barracks in Mönchengladbach ab. Die damaligen „Veranstaltungen“ glänzten mit fußballfeldgroßen Verkaufsflächen, die vollgestellt waren mit dem, was das Herz höher schlagen ließ.
Nach der Besichtigung riskierte man gleich noch einen Blick auf das abgetrennte Feld nebenan, auf dem die Fahrzeuge für die nächste Versteigerung bereits gesammelt wurden.

Mit zunehmender Truppenreduzierung und vermehrten Einsätzen der britischen Truppen in anderen Teilen der Welt (Falkland, Golfkrieg, ex- Jugoslawien ...) verminderte sich drastisch die Zahl der hier zu verwertenden Fahrzeuge.

Die Briten übertrugen die Durchführung der Versteigerungen der VEBEG.
Die VEBEG GmbH ist eine bundeseigene Treuhandgesellschaft. Alleinige Gesellschafterin ist das Bundesministerium der Finanzen. Gegründet 1951 ist der Gegenstand des Unternehmens die treuhänderische Verwertung von beweglichen Gütern aller Art.

Den Ayrshire Barracks folgten die Hampshire Barracks, aus  Disposal Sales Depot wurde Disposal Sales Agency und das Warenangebot dabei immer „übersichtlicher“.

Während in früheren Jahren die Kundschaft aus einschlägigen Händlern (3 - 4 aus Deutschland / fast noch mehr aus GB und ein paar Holländer) und einigen LR-Freaks bestand, wurde anläßlich der Ausmusterung der kompletten Serie III begonnen, Werbung für die Versteigerungen in allen OffRoad- und Fernreise- Publikationen zu schalten.

Während die VEBEG immer darauf hinwies, daß bei den angebotenen Fahrzeugen / Waren es sich um gebrauchte Güter, die durch die Auftraggeber ausgemustert wurden, weil sie in der Regel nicht mehr fahrbereit bzw. funktionsfähig waren, handelte, erschloß man sich nunmehr die Kundschaft, die komplette und eher optisch ansprechende Fahrzeuge sehen wollte.
Daher war es keine Überraschung, daß man anfing, unvollständige Fahrzeuge vor der Versteigerung zu komplettieren. Der Wert der dabei aufgebrachten technischen Leistung war eher nicht der Rede wert aber es hatte z. B. ein jedes Fahrzeug bei Beginn der Besichtigungen vollständige Positionsleuchten.

Als Folge dessen und auch, da die Interessenten zum großen Teil keine Ahnung hatten, was sie sich antun wollten und was als Folge noch alles auf sie zukommen würde, und reihenweise meinten, aus den Mitarbeitern der VEBEG Preisvorstellungen herauskitzeln zu müssen und diese dann auch bereit waren zu zahlen, stiegen die Preise in utopische Höhen.
Die Einführung des Euro verstärkte diese Entwicklung nochmals.

Während man früher für schlankes Geld ein unverbasteltes Anfangsobjekt für notwendig folgende Restaurierung finden konnte, entwickelten sich die Versteigerungen danach zum „Volksfest mit Würstchenbude“ und das Fahrzeug, das einen interessierte, konnte man zu angemessenem Preis nicht mehr bekommen, weil Geld beim Bieten wohl keine Hemmschwelle mehr darstellte.

Von Fahrzeugen, die wegen ihrer Ausstattung interessant waren, hörte man dann später, daß daraus alles das achtlos ausgebaut und wohl auch entsorgt wurde, woran man selbst die Entscheidung für gerade dieses Fahrzeug festgemacht hätte.

Wie läuft eine Versteigerung ab? Man kann den Ablauf untergliedern in

  • Ausschreibung beschaffen und auswerten
  • Besichtigung (unumgänglich)
  • Bieten
  • Abholen

Ausschreibung beschaffen und auswerten
Die VEBEG veröffentlicht die Ausschreibungen im Bundesanzeiger, auf Anfrage bekommt man sie in Papierform zugesandt und im Internet unter www.vebeg.de .

In den Ausschreibungsunterlagen gibt es recht sparsame Informationen zu den einzelnen Fahrzeugen. Neuerdings werden im Internet auch Fotos veröffentlicht.
Anhand dieser Angaben kann man eine Vorauswahl treffen und vor allem entscheiden, ob überhaupt interessante Dinge angeboten werden.
Die Fotos zeigen die angebotene Ware grundsätzlich von deren schönster Seite.

43425-002b-300x225Besichtigung (unumgänglich)
Die VEBEG organisiert i. d. R. an 2 Tagen die Besichtigung der angebotenen Fahrzeuge. Dabei kann man sich alles ausgiebigst ansehen. Probefahren oder nur Motorlaufenlassen ist nicht möglich.
Bei der Besichtigung ist einzuschätzen, welche Substanz man erhalten würde. In der Regel soll das ersteigerte Fahrzeug später zugelassen werden. Bereits bei der Besichtigung sollte man grob überschlagen, welcher zusätzliche Aufwand das betreffende Fahrzeug erfordern würde. Dabei ist es dringend zu empfehlen, sich mit der Technik halbwegs auszukennen und auf spezielle LR-Schwachstellen (z. B. Durchrostungen Rahmen oder Spritzwand) zu achten.
Vieles ist dabei Spekulation und Klarheit kann man sich meist erst beschaffen, wenn man vorher bezahlt hat.

Ein paar Punkte als Beispiele:

  • Tachostände mit geringer Laufleistung sich schön. Doch niemand weiß, wie lange z. B. dieser Tacho in diesem Fahrzeug eingebaut war.
  • Hellblaue Aggregate sind Militär-Austauschteile. Je neuer diese Teile sind, um so kritischer muß betrachtet werden, ob diese letzte „OP“ auch noch konsequent zu Ende geführt wurde.
  • Wenn Getriebetunnel und vordere Bodenbleche locker im Fahrzeug liegen, ist die Annahme gerechtfertigt, daß ein Problem in der Kraftübertragung vorliegt und das Fahrzeug statt Instandsetzung ausgemustert wurde.
  • Wenn eine Batterie im Fahrzeug eingebaut ist, nicht scheuen, einmal die Warnblinkanlage einzuschalten. Wenn sich nichts tut, muß das nicht viel heißen. Wenn aber doch, dann ist das schon ein „+“ bei Elektrik.
  • Sichtbare Zeichen von Abschleppen (Der englische Mann wirft gern schon mal zur Befestigung beim abzuschleppenden Fahrzeug ein Seil über die Stoßstange, die sich dann beim Zuziehen etwas verbiegt. Auch bestehen dabei keine Hemmungen, die Spurstange mit einzubeziehen und als Folge zu verbiegen.) sollten ein Hinweis dafür sein, daß der Grund der Schlepperei eventuell immer noch vorliegt.
  • Gabelstapler hinterlassen beim Verladen oftmals Beschädigungen (Auspuff / Kardanwelle).
  • „R“ oder „Runner“ ist manchmal mit Kreide auf die Fahrzeuge geschrieben worden. Dies bedeutet einzig und allein, daß das Fahrzeug aus eigener Kraft und auf eigener Achse zum Lagerplatz gefahren wurde.
    Ein Fahrzeug in gleichem Zustand trägt kein „R“, wenn die Anlieferung mit anderen zusammen per LKW erfolgte und der Lagerarbeiter zu faul war, von seinem Stapler abzusteigen und alle per Gabel entladen hat.
    Fahrzeuge in ansonsten einwandfreiem Zustand bekommen kein „R“, wenn z. B. nur die Batterie fehlt, leer ist oder der Schlüssel fehlt (zum Thema Schlüssel unten mehr).
    Ob die Eigenschaft „R“ auch am Tage der Besichtigung oder der Abholung noch vorliegt, kann niemand garantieren.
  • Während der Besichtigung entwickeln verschiedene Dinge „Eigenleben“. Abgesehen davon, daß Besucher „Andenken“ mitnehmen, wandern andere Teile von Auto zu Auto. Das liegt wohl daran, daß jemand meint, ein gewisses Fahrzeug bekommen zu wollen und dann dort Dinge zu Lasten anderer hortet. Da stößt man schon mal auf Ansammlungen von Hauptscheinwerfern, Positionsleuchten, Wagenhebern, Feuerlöschern ...
    Auf der anderen Seite habe ich schon Papiere in Fahrzeugen liegen sehen, die umfangreiche vorhergehende Reparaturen dokumentierten. Diese will dann keiner in dem Fahrzeug liegen haben, auf das er bieten will. Sie werden dann klammheimlich mal eben in das Fahrzeug nebenan gelegt.
  • Weiterhin gibt es Zeitgenossen, die sich ein Fahrzeug ausgesucht haben und dann versuchen, andere davon abzuhalten, mitzubieten. Da wird dann schon einmal das Fahrzeug mit Kreide als „Oilburner“ beschriftet oder an anderer Stelle notiert „Gearbox Broken“.

Ein wichtiger Punkt der Besichtigung sollte auch sein, vor Ort zu entscheiden, wie das Fahrzeug im positiven Fall zu überführen wäre.

43425-019a-300x225Bieten
Das Gebot hat auf vorgegebenen Gebotsscheinen schriftlich zu erfolgen. Das kann bei Besichtigung erfolgen, aber auch per Fax kurz vor Ende der Frist.
Der wichtigste Punkt ist, hierbei den richtigen Wert zu finden. Bei aller Euphorie sollte man immer die zu erwartenden Gesamtkosten im Auge behalten.
Spricht man die VEBEG- Mitarbeiter darauf an, was man für das eine oder andere Fahrzeug bieten muß, um Aussicht auf Erfolg zu haben, werden diese eifrig in diversen Papieren suchen und eine Zahl parat haben.
Sinngemäß könnte das so lauten: „Der Betrag X steht hier nun mal. Den muß ich jedem nennen, der fragt. Je mehr sie drauflegen, um so höher sind die Chancen.“
Diesen Ausspruch ergänzte ich dann einmal: „... und um so mehr freut sich die VEBEG“. Darauf kam dann sinngemäß: „Die VEBEG weniger – aber das Jahr neigt sich dem Ende zu und Weihnachtsgratifikationen als freiwillige Leistungen werden immer vom Jahresergebnis beeinflußt.“

Damit will ich nur ausdrücken, man muß seine eigene Entscheidung treffen. Dabei kann man hier hören, da frotzeln und nachher sich freuen oder schimpfen. Ganz aufschlußreich ist oft auch ein Vergleich mit den Preisen, die für vergleichbare Fahrzeuge früher erzielt wurden. Allerdings sollte man dann nach Möglichkeit diese anderen Fahrzeuge auch gesehen haben.

Die VEBEG hat den Auftrag, den kompletten Fahrzeugbestand zum möglicht hohen Preis zu veräußern. Dabei wird pro Fahrzeug eine interne Mindestpreisvorstellung bestehen. Wird diese nicht erreicht, bleibt das Fahrzeug stehen. Es hat daher keinen Sinn, reihenweise Gebote von 10.00 € abzugeben.
Nach Ende der Versteigerung wird man sich über die Fahrzeuge, die übrig bleiben, Gedanken machen, denn man hat auch Interesse, den Platz frei zu bekommen. Dabei kann es dann vorkommen, daß ein Fahrzeug auch schon einmal zu einem niedrigeren Wert weggeht.
Zu dem Gebot ist im Erfolgsfall noch 16 % Mehrwertsteuer zu zahlen.
Zuletzt sollte man die mühsam festgelegte Zahl um Nachkommastellen ergänzen, um sich von anderen Geboten zu unterscheiden. Bei gleichlautenden Höchstgeboten wird notfalls gelost.

Abholen nach Zuschlag
Etwa 24 Stunden nach Gebotsende veröffentlicht die VEBEG die Höchstgebote im Internet. Höchstpreis und Bieter werden auch telefonisch genannt.
Hat man Erfolg, erhält man eine Rechnung (Gebot + 16%). Nach Zahlung (innerhalb 10 Tagen) bekommt man eine Abholvollmacht von der VEBEG zugesandt und kann am Lagerort einen Abholtermin vereinbaren.
Nach Besichtigung bis zur Abholung sind die Fahrzeuge durch das Militär bestens gehütet.
Bei Abholung der Fahrzeuge sind die Lagerarbeiter oft überfordert, mehrere Abholer gleichzeitig zu beaufsichtigen. Um Plünderungen zu vermeiden, sollte man sein Fahrzeug so bald wie möglich abholen. Die VEBEG setzt hierfür eine Frist von längstens 3 Wochen.
Gedanken zur Abholung hat man sich bei Besichtigung bereits gemacht. Man wird vor der Wahl stehen, das Fahrzeug per Trailer oder gemietetem Abschleppwagen zu transportieren oder auf eigener Achse zu bewegen.

Steht ein entsprechendes Transportfahrzeug zur Verfügung, dürfte dies der nervenschonendste Weg sein. Hinfahren, Aufladen und weg.

Ist dies nicht möglich und man entscheidet sich für zweite Alternative, geht das Abenteuer weiter.
In der Ausschreibung ist bei manchen Fahrzeugen der Vermerk „no key“ enthalten. Das bedeutet offiziell, daß bei Anlieferung des Fahrzeuges keine Schlüssel vorhanden waren.
Hat man das Glück, daß dies bei dem eigenen Fahrzeug nicht zu lesen war, tritt aber auch erst Entspannung ein, wenn der Schlüssel gefunden worden ist. Ich kann mich an Situationen erinnern, wo diverse Schlüssel mit anhängendem Zettel fein sortiert an einem Schlüsselbrett hingen und darunter lag ein riesiger Haufen unsortierter Schlüssel. „no key“ heißt wohl auch, wir haben keine Lust, auszuprobieren, welcher der richtige ist.
Beim reinen Militär-Landy ist der fehlende Schlüssel kein großes Problem. Ein Lenkradschloß ist nicht vorhanden und das Zündschloß ist im Handumdrehen ausgebaut und durch einen am Kabel baumelnden Kaufhauskippschalter vorübergehend ersetzt.
Hat man einen „Commercial“ gesteigert, ein von Haus aus ziviles Fahrzeug, das dann vom Militär genutzt wurde, hat man sich ggf. mit dem Aufbohren der Abreißschrauben des Lenkradschlosses auseinanderzusetzen.

Danach kommt dann der Moment „sprint an – oder nicht“. Die Werkzeugkiste hat man als Landy-Fahrer immer dabei. Nimmt man zusätzlich die Fernreise-Kiste (mit dem Inhalt, den man braucht , um den Landy auf längeren Strecken bei Laune zu halten) mit und hat bei der Besichtigung nichts gravierendes übersehen, sollten die Karten nicht zu schlecht stehen. Etwas Improvisationstalent gehört in der Regel aber dazu.

An der nächsten Tankstelle die Reifenluft kontrolliert – auf dem nächsten Parkplatz die Öle nachsehen und die Heimreise beginnt.

Bis auf einen Landy mit durch die Verladung krummer Kardanwelle haben wir alles auf eigener Achse nach Hause gefahren (200 km von MG) – und sei es mit fliegender Spritleitung vom Kanister direkt zum Vergaser.

Am Rande sei erwähnt, daß wir natürlich dann immer mit dem zweiten Landy dabei waren und für den Notfall die Schleppstange dabei hatten.

Abschließende Bewertung
Wenn man das Ersteigern nicht in der Weise betreibt, daß man mit Höchstgeboten (Geld spielt keine Rolex) anderen Mitbewerbern keine Chance läßt, zur Überführung ein Abschleppunternehmen beauftragt und den Landy dann vom autorisierten Rover-Händler aufbauen läßt, kann diese Form des Autokaufes noch ein legales Abenteuer in unserer stark reglementierten Welt darstellen.