Wartung oder Modifikation eines LT77 Schaltgetriebes

(von Uwe Stichnothe)

Das LT77 Schaltgetriebe wurde zusammen mit dem LT95 Verteilergetriebe in den militärischen 90/110 und verschiedensten anderen Land Rover Fahrzeugen verbaut. Die Ausgangswelle aus dem Schaltgetriebe steckt in einer innen verzahnten Welle im Verteilergetriebe. Diese Welle wird durch das Öl im Verteilergetriebe nicht geschmiert, sie ist eingefettet und sollte alle 15000 km oder so herausgenommen und neu eingefettet werden (Meine hat ca. 80000 km ohne Einfetten ausgehalten). Dazu dient der riesige Wartungsdeckel hinten am Verteilergetriebe. Der Wartungsdeckel ist vom Fahrersitz oder von unter dem Fahrzeug sehr gut zu erreichen.

Derjenige, der keine Lust darauf hat, kann sich eine neue, modifizierte Welle für sein Verteilergetriebe kaufen, oder seine alte Welle durch 4 Bohrungen modifizieren.


Ausbau:
  1. Wartungsdeckel abschrauben
  2. Senkkopfschrauben rausschrauben (können unter der alten Dichtung verborgen sein)
  3. Ring abnehmen
  4. Die Innenverzahnte Welle mit den beiden aufgepressten Lagern rausnehmen
  5. Welle reinigen (Bei mir sah das alte Fett aus wie Erde)
  6. Welle einfetten (und/oder 4 Bohrungen reinmachen)


Einbau
  1. Welle wieder einbauen
  2. Ring mit Senkkopfschrauben festschrauben
  3. Papierdichtung ersetzen oder Flüssigdichtung nehmen
  4. Wartungsdeckel aufschrauben
  5. Getriebeölstand kontrollieren
  6. fertig


Wer keinen Bock hat die ganze Aktion durchzuführen bitte folgende Geschichte lesen.

Meine Getriebegeschichte

(von Uwe Stichnothe)

Mir wurde vor einiger Zeit davon berichtet, dass es in meinem Antriebsstrang (110 ExMOD Bj. 90) einige Probleme gibt, welche aber durch regelmäßiges Einfetten der Eingangswelle im Verteilergetriebe behoben werden können. Diese Informationen habe ich mangels besseren Wissens nicht beachtet, dies sollte sich viel später rächen.........

Eines Sonntags als ich an einem Hindernis zum stehen kam und im ersten Gang wieder anfahren wollte gab es einen kleinen Schlag und nichts ging mehr. Ich konnte alle Gänge anwählen, auch Untersetzung und Differentialsperre, sowie einkuppeln. Es funktionierte alles außer der Kraftübertragung. Kurzes Abschleppen nach Hause, zum Glück war ich in meinem Heimatort und nicht England, Afrika oder auf dem Mond.

Nach einer Reihe von Telefonaten war ziemlich schnell klar, dass es sich um die Verzahnung am Eingang des Verteilergetriebes handelte. Alle meine Überlegungen ergaben, dass ich ein neues Schaltgetriebe und eine neue Eingangswelle für das Verteilergetriebe brauchte (man kann auch das Schaltgetriebe überholen, wie man eben will und kann ). Die Firma Ashcroft als Fachbetrieb für Überholungen von Land Rover Getrieben erwies sich als am günstigsten, trotz der Portokosten, denn da das Teil im Austausch war ( 200 Pfund Pfand ), musste ich das alte Getriebe ja auch dort hin schaffen.

Der Ausbau des alten Getriebestrangs wurde auf einer Bühne von meinem Chefmechaniker Rainer, der hier lobend erwähnt werden soll , und mir in weniger als einem Tag durchgeführt. Welche Teile auszubauen waren, wussten wir, da wir die Kupplung ca. 10000 km zuvor erneuert hatten. Der Einbau dauerte einige Stunden länger, da der Getriebestrang erst gereinigt und mit den Anbauteilen versehen werden musste.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich dadurch das ich das Getriebe beim günstigsten Anbieter gekauft und selbst eingebaut habe, viel Geld gespart habe. Ich hätte aber viel mehr Geld sparen können, wenn ich das Getriebe vernünftig gewartet hätte. Das lässt sich hinterher natürlich einfach sagen, aber ich konnte ja nicht wissen, wie einfach das Einfetten oder Modifizieren der Welle ist.